Georg Schmid: In Deutschland lebende Arbeitssuchende haben Vorrang – Kritik am FDP-Zuwanderungspapier
„In der deutschen Zuwanderungsdebatte ist viel Falschinformation unterwegs.“ Mit diesen Worten kritisierte Georg Schmid, der Vorsitzende der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag, das heute von der FDP-Landtagsfraktion vorgestellte Zuwanderungspapier.
„Es ist nach wie vor so, dass wir mehr Arbeitssuchende als offene Stellen haben. Wenn Wirtschaft und FDP jetzt nach Arbeitskräften aus dem außereuropäischen Ausland rufen, schreiben sie die Arbeitssuchenden endgültig ab“, so Schmid. Das käme einer Bankrotterklärung der Arbeitsvermittlung und der Berufsqualifizierung gleich. „Will die FDP wirklich die Botschaft aussenden: ‚Euch brauchen wir nicht mehr, es gibt billigere und bessere Arbeitskräfte aus dem Ausland?“ Für die CSU kommen Aus-, Fort- und Weiterbildung zuerst.
Dass nach dem Willen der FDP künftig schon Arbeitskräfte aus dem Ausland angeworben werden sollen, die 40.000 Euro verdienen und nicht wie bisher 66.000 oder mehr, zeige, dass es den Liberalen nicht mehr um Spitzenkräfte, sondern um die Zuwanderungen in den normalen Arbeitsmarkt gehe. „Dazu sagen wir Nein.“ Das gelte umso mehr, als niemand vorhersagen könne, wieviele osteuropäische Arbeitskräfte nach der Öffnung des Arbeitsmarktes Anfang Mai kommen.
Natürlich steht gerade der boomende Freistaat Bayern im globalen Wettbewerb um die besten Köpfe. „Die Aufteilung, wonach die Wirtschaft billige Arbeitskräfte bekommt und die Gemeinschaft die Rechnung für die Arbeitslosen, lehnen wir ab.“
Auch das von einigen gelobte kanadische Punktesystem betrachtet er kritisch. „Grüne und SPD sind in dieser Diskussion mit viel Heuchelei unterwegs“, bemängelte der CSU-Fraktionschef. „Das Gutmenschengerede der linken Parteien verdeckt, dass Kanada englisch- oder französischsprachige Akademiker mit Stellenzusage, Berufserfahrung, dem passenden Alter und Integrationsfähigkeit bevorzugt und für die Genehmigung hohe Gebühren verlangt.“
Die kanadische Volkszählung von 2001 habe außerdem ergeben, dass ein Viertel der Einwanderer trotzdem in Berufen weit unter ihrem Abschluss eingesetzt werden. „Es zeigt sich, dass Zuwanderer eben doch auch normale Facharbeiter verdrängen“, so Schmid. Der Bearbeitungsrückstand der kanadischen Einwanderungsbehörde betrug laut Medienberichten im Jahr 2007 schon rund 800.000 Anträge. Antragsteller müssen dort teilweise fünf bis sechs Jahre auf das Bewerbungsgespräch warten. „Das klingt mir alles nicht nach der Lösung für unsere Herausforderungen“, so Schmid abschließend.